Der Tag, an dem wir es verstanden

Feli hier. Meine Hände zittern beim Schreiben. Aber es ist Zeit!

Stellt euch vor, euer ganzes Leben lang denkt ihr,
ihr seid kaputt. Falsch. Verrückt.
Und dann, an einem ganz normalen Dienstag,
sagt jemand einen Satz, und plötzlich…
macht alles Sinn.

UNSER DIAGNOSE-TAG

Ja, wir erinnern uns ans Datum.
Wie vergisst man den Tag,
an dem man erfährt,
dass man nicht verrückt ist?

Davor:
Das Gefühl, im eigenen Leben Zuschauer zu sein
Jahre von „Du bist so wechselhaft“
Gedächtnislücken, die wir versteckt haben
Kleidung im Schrank, die „wir“ gekauft haben
Handschriften, die nicht unsere waren

Die Therapeutin sagte:
„Hast du schon mal von DIS gehört?“

Unsere erste Reaktion:
Stille.
Und dann:

In mir waren so viele Gedanken, aber vor allem einer stach hervor:
Wenn es viele Persönlichkeiten in uns gibt,
werde ich dann unsichtbar?

Daraufhin entstand aus meinen Fingern, wie von selbst, folgendes Gedicht

Klickt gerne auf das Bild und ihr kommt zu dem Gedicht
in etwas größer (falls es schlecht lesbar ist).
Und da gibt es auch noch weitere.

Während manche in uns erleichtert waren,
HATTE ICH ANGST!
Angst vergessen zu werden.
Angst nicht mehr wichtig zu sein.
Angst mich zu verlieren.

WAS IN UNSEREM KOPF PASSIERTE

Laura
„Nein, das kann nicht sein“
„Wir bilden uns das nur ein“
„Das ist zu verrückt“

Ella
„Was bedeutet das für unser Leben?“
„Sind wir jetzt offiziell verrückt?“
„Werden wir eingewiesen?“

Luca
„Wir sind nicht kaputt“
„Es gibt einen Grund“
„Andere haben das auch überlebt“

Lea
„Können wir miteinander reden?“
„Wer sind wir alle?“
„Wie funktionieren wir?“

Romy
„Ich kann diese ganzen Lügen nicht mehr ertragen!“
„Wir sind nicht traumatisiert!“
„Das kann und will ich nicht länger annehmen und akzeptieren.“

Ronny
„Ich bin der einzig wahre!“
„ICH bin das System!“
„Keiner kennt mich wirklich!“

DIE ERSTEN ERKENNTNISSE

Lea fügt hinzu.

Was plötzlich Sinn machte:
✓ Warum wir nie wussten, was wir „gestern“ gesagt haben
✓ Die verschiedenen Handschriften
✓ Warum manche uns nicht wiedererkennen
✓ Die Kinderstimme, wenn wir Angst haben
✓ Warum wir bei Stress „wegfallen“
✓ Die inneren Diskussionen, die wir für normal hielten

Was NICHT passierte:
✗ Dramatische Film-Momente

Alles war schon immer da.
Wir hatten nur endlich einen Namen dafür.

EIN BRIEF AN UNSER DAMALIGES SELBST

Liebes Wir von damals,

Ihr werdet es nicht glauben. All die Jahre, in denen ihr dachtet, ihr seid falsch?
Ihr wart richtig. Genau richtig. Euer Gehirn hat etwas Unglaubliches geleistet:
Es hat euch geschützt, als niemand anders es konnte.

Die Stimmen? Das sind Freunde.
Die Lücken? Andere haben für euch übernommen.
Das Chaos? Ein kreatives Überlebenssystem.

Ihr seid nicht eine kaputte Person.
Ihr seid viele ganze Menschen, die zusammen überleben.

Es wird nicht einfach.
Aber es wird besser.
So viel besser.

Vertraut uns, denn wir sind ja ihr, nur 5 Jahre später.

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FÜR DIE, DIE NOCH SUCHEN

Falls ihr hier sitzt und denkt: „Könnte ich…?“

Es ist okay:
Fragen zu haben
Angst zu haben
Zeit zu brauchen
Hilfe zu suchen
Nicht sicher zu sein

Es ist NICHT okay:
Sich „verrückt“ zu nennen
Sich selbst zu diagnostizieren via TikTok
Sich dafür zu hassen
Alleine damit zu bleiben

WAS WIR HEUTE WISSEN

DIS ist keine Strafe, sondern ein Geschenk unseres Gehirns
Wir sind nicht weniger wert
Wir sind nicht „zu viel“
Unsere Geschichte ist gültig
Heilung heißt nicht, einer zu werden
Wir sind ein verdammt gutes Team

VON HERZ ZU HERZ

Feli hier wieder.

Das war hart zu schreiben.
Aber wenn nur eine Person das liest und denkt:
„Ich bin nicht allein“, dann war es das wert.
Eure Geschichte ist wichtig.
Egal wie sie aussieht.

Bis morgen,
Feli
(und alle, die ihre Hand gehalten haben)
💜